Das Alemannische ist keinesfalls eine in sich homogene Sprache. Die Unterschiede sind schon im südwestdeutschen Gebiet groß, in einer Region, zu der der gesamte Schwarzwald gehört, dazu im Westen das Hanauerland, die Ortenau, der Breisgau und das Markgräflerland, im Süden Dinkelberg, Hotzenwald und Klettgau, sowie im Osten die Baar, das Hegau und am Bodensee Höri, Bodanrück und Linzgau.

In mehreren Dialektserien, die ich für die Badische Zeitung und die Badische Bauern Zeitung geschrieben habe, bin ich auf diese Unterschiede im Wortschatz, z. T. auch in der Wortverwendung eingegangen. Daneben habe ich, wo es ging, versucht, Licht ins etymologische Dunkel zu bringen und Zusammenhänge herzustellen.

Lesen Sie selbst, wie interessant die Sprache unserer Region ist. 

Die einen kiddere, die anderen giggele - Vom Kichern

Der Satz Un jedsmool, wenn s in some Film ernscht wird, fangts Klärli aa z'kiddere ..., führt uns direkt in die Thematik. Es gibt ein Lachen, das heimlich, halblaut, stoßweise, anhaltend oder gackernd sein kann, wie im oben beschriebenen Fall nicht angemessen ist und dazu herhalten muss, Unsicherheit und Unangenehmes zu überspielen. Ganz recht, es handelt sich ums Kichern, ein Wort, das auch im Alemannischen nicht selten verwendet wird. Noch eigentümlicher aber ist das oben erwähnte Wort kiddere, das weit verbreitet ist, denn von Mannheim bis an den Bodensee ist es in ganz Baden bekannt und gebräuchlich. Aber auch kuddere, wie häufig in Nordbaden, und guddere kann man vereinzelt hören. Natürlich ist sowohl kiddere, als auch kuddere, sowie das hochdeutsche kichere lautmalerisch motiviert. Bei dem Wort guddere denkt der Dialektsprecher aber fast unweigerlich an das Wort Gudder 'Korbflasche', denn das glucksende Geräusch, das beim Ausschenken aus einer solchen Flasche entsteht, ist dem stoßweisen Lachen aus pubertären Mädchenkehlen nicht unähnlich.

kichern in Südbaden

Wir befinden uns hier allerdings in einem  Wortfeld, bei dem oftmals am selben Ort mehrere Bezeichnungen möglich sind. Dennoch lässt sich für pfidderle, bzw. pfiddle oder pfiddere, doch ein Kerngebiet in der Schwarzwald/Baar-Gegend festmachen. Wa hond denn ier scho wider z' pfitterid? kann man beispielsweise in Hattingen aufschnappen und den ungehaltenen Ton des Nicht-Eingeweihten dabei direkt heraushören. Desweiteren ist vereinzelt pfnudsge, pfudsge und ähnliche Varianten als Bezeichnung für das förmlich herausbrechende Lachen möglich, wobei der Übergang zu anderen Bedeutungen, wie 'niesen' oder 'mit großem Druck durch eine schmale Öffnung herausschießen' (von Wasser gesagt), fließend ist.

Giggeled wird häufig im Markgräflerland und  die, die das tun, werden verdächtigt, Giggelesuppe gegessen zu haben. Das hat in diesem Fall nun wirklich nichts mit der moderne Suppe aus der Tüte zu tun, die vereinzelt auch Giggilisuppe genannt wird (eine Verkleinerung von Guggel 'Tüte'), sondern ist eine Wortschöpfung mit giggele und kann getrost mit 'Kichersuppe' übersetzt werden. Dass hier irgendwo eine Anbindung zu Hühnchen und deren Gackern gesucht werden kann, ist zumindest nicht von der Hand zu weisen.

Ganz sicher kann aber eine Verbindung zum Tierreich bei dem Wort meggele gezogen werden, wie es vereinzelt gebraucht wird. Denn neben 'meckern', 'blöken' und 'wiehern' kann auch 'lachen' oder 'kichern' damit gemeint sein.

Dass das Lachen oft mit dem Meckern der Ziege in Verbindung gebracht wird, ist auch an dem Wort haddlebzw. häddle abzulesen, was ebenfalls 'meckern' und 'wiehern' bedeuten kann, auf Menschen bezogen aber auch 'kichernd lachen'. Hier stand nicht die Stimme des Tieres Pate, sondern das Tier selbst, denn mit Haddle wird in weiten Teilen Badens die weibliche Ziege bezeichnet, vereinzelt aber auch andere weibliche Tiere, wie Hase, Schaf oder Reh.

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