Das Alemannische ist keinesfalls eine in sich homogene Sprache. Die Unterschiede sind schon im südwestdeutschen Gebiet groß, in einer Region, zu der der gesamte Schwarzwald gehört, dazu im Westen das Hanauerland, die Ortenau, der Breisgau und das Markgräflerland, im Süden Dinkelberg, Hotzenwald und Klettgau, sowie im Osten die Baar, das Hegau und am Bodensee Höri, Bodanrück und Linzgau.

In mehreren Dialektserien, die ich für die Badische Zeitung und die Badische Bauern Zeitung geschrieben habe, bin ich auf diese Unterschiede im Wortschatz, z. T. auch in der Wortverwendung eingegangen. Daneben habe ich, wo es ging, versucht, Licht ins etymologische Dunkel zu bringen und Zusammenhänge herzustellen.

Lesen Sie selbst, wie interessant die Sprache unserer Region ist. 

Do hets battet - Bezeichnungen für irgendwo (Umfrageergebnis)

Wäre die Dialektumfrage unter den Lesern der Badischen Bauern Zeitung eine Kartoffelernte gewesen, könnte man mit Fug und Recht sagen: Do hets battet. Über 200 Leserinnen und Leser haben geschrieben und die Grundlage dafür geliefert, dass in den nächsten sechs Folgen jeweils eine Karte gezeichnet werden kann. Deshalb ein ganz herzliches Dankeschön an jeden einzelnen, der mitgemacht hat.

Gezeigt hat sich aber auch, dass manche Fragen in der Formulierung nicht ganz glücklich waren, so etwa die Frage: Wie heißt in Ihrer Mundart "irgendwo"? Durch den Beispielsatz sollte eine Hilfestellung gegeben werden. Herausgekommen ist da eher eine Verwirrung, denn es gab etliche Antworten, aus denen man entnehmen konnte, wo dieser vermaledeite Füller manchmal steckt. Bei den einen war er im Griffelkästli, im Mäppli oder in der Schublade, bei den anderen unter de Ziting oder do und dört. Dennoch sind genug Antworten zusammen gekommen, die Aufschluss über das tatsächlich gesuchte Wort "irgendwo" geben.

Vielleicht waren einige Leute auch deshalb unsicher mit der Antwort, weil sie ihr Wort gar nicht als ein Wort empfinden. Wer amenord sagt, weiß, dass die Wortgruppe "an einem Ort" als Bedeutung dahinter steht. Und wer übersetzt schon ein Wort mit mehreren? Aber genau so, wie das Wort zackerfahre, das auch aus mehreren zusammengezogen ist und "pflügen" heißt, ist amenord im Alemannischen heutzutage eigentlich als ein einziges Wort anzusehen. Das zeigt sich schon daran, dass es immer kürzer wird oder die Grundlage fast nicht mehr zu erkennen ist, wie bei ammerno in Königschaffhausen. Außerdem hat es eine schillernde Vielfalt aufzuweisen. Oft gibt es an ein und demselben Ort mehrere Möglichkeiten. Je nachdem, ob man das Wort betonen will oder nicht, ist es kürzer oder länger. So gibt es in Freiamt und St. Peter emord neben amenord. Mancherorts mag man das verbindende n zwischendrin nicht so recht und sagt ameord, anderswo dreht man n und m einfach um, z. B. in Köndringen. Dort heißt es anemord. Im Elz- und Kinzigtal ist dagegen eher omenordomeord oder omenod zu hören.

irgendwo in Südbaden

Der gleiche Variantenreichtum ist aber auch im Osten auszumachen. Omme wurde zwar am häufigsten genannt. Daneben gibt es jedoch auch omed im südlichen Hegau oder omeds in Rietheim. Auf der Baar sind Formen mit langem o anzutreffen (ohmeohmed), oder schon leicht schwäbisch anmutend oamed, oameds, oamels. Das östlich der Hinteren Aach anzutreffende neame deutet darauf hin, dass, obwohl auch diese Formen als Kurzformen von "an einem Ort" denkbar sind, ein anderes Wort mindestens beeinflussend gewirkt haben muss, nämlich näume.

Dieses Wort ist in einem Gebiet zu Hause, das sich klar herauskristallisiert hat. Es scheint voll und ganz als ein einziges Wort empfunden zu werden, obwohl auch ihm eine Wortgruppe zugrunde liegt. Das Zusammenziehen und Abschwächen hat nur schon viel früher angefangen. Denn schon vor 500 Jahren wurde das ursprüngliche ne enweis wa, das man übersetzen kann mit "weiß nicht wo", zu neis-wa zusammengezogen. Weitere Lautentwicklungen haben die Endung abgeschwächt und das schwer zu sprechende s und w zu m verwandelt, so dass naime herauskam, was in der Südwestecke wiederum zu näume weiter entwickelt wurde. Heute wird es als ein typisches Dialektwort empfunden, was sich in guter Gesellschaft mit seinen Geschwisterformen näumer ("jemand") und näumes ("etwas") befindet. Im Hotzenwald ist naime aber offensichtlich nicht allein das gültige Wort. Mehrfach wurde auch dort amenort gemeldet. Und im Münstertal fährt man auch lieber mehrgleisig: Neben naime gibt es dort auch die Mischform naimenord, nach dem Motto, man muss um Verständigung nach allen Seiten bemüht sein.

Doch damit ist der Variantenreichtum noch lange nicht erschöpft. Drei Meldungen aus Schönberg bei Lahr, Nonnenweier und Ichenheim lassen noch eine andere Form erkennen, nämlich iene. Auf den ersten Blick seltsam anmutend, kommt einem dieses Wort beim zweiten Hinschauen bekannt vor. Wenn man ein n davorsetzt, erhält man ein niene, also ein "nirgends". Das verhält sich zu iene genau so, wie "nirgendwo" zu "irgendwo" oder "nirgends" zu "irgends". Und auch diese Wörter, die näher am Hochdeutschen anzusiedeln sind, wurden genannt. Nördlich von Kehl findet man am Rhein entlang irigs oder irjens und nach Osten hin irgendwo, wie im Hochdeutschen.

Damit wäre nun klar gestellt: Der Füller liegt amenordomme oder näume. Und wenn er wirklich nicht zu finden ist, hed e d Katz gfresse.

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