Das Alemannische ist keinesfalls eine in sich homogene Sprache. Die Unterschiede sind schon im südwestdeutschen Gebiet groß, in einer Region, zu der der gesamte Schwarzwald gehört, dazu im Westen das Hanauerland, die Ortenau, der Breisgau und das Markgräflerland, im Süden Dinkelberg, Hotzenwald und Klettgau, sowie im Osten die Baar, das Hegau und am Bodensee Höri, Bodanrück und Linzgau.

In mehreren Dialektserien, die ich für die Badische Zeitung und die Badische Bauern Zeitung geschrieben habe, bin ich auf diese Unterschiede im Wortschatz, z. T. auch in der Wortverwendung eingegangen. Daneben habe ich, wo es ging, versucht, Licht ins etymologische Dunkel zu bringen und Zusammenhänge herzustellen.

Lesen Sie selbst, wie interessant die Sprache unserer Region ist. 

Der eine läuft mit Fingge rum, der andere mit Däbber - Der Hausschuh (Umfrageergebnis)

Wenn der Lörracher nach Hause kommt, zieht er sich die Finggen an und verschwendet in der Regel keinen Gedanken daran, dass dieser Name für die Hausschuhe schon nördlich von Staufen oder Todtnau selten bis unbekannt ist. Zwar gibt es wohl auch in Freiburg und Umgebung ein paar wenige Finggeträger. Doch hier ist es wahrscheinlich, dass diese zugewandert sind und ihre Gewohnheit mitgebracht haben. Denn der überwiegende Teil der Freiburger greift beim Nachhausekommen zu den Schlabben, genauso wie die meisten Leute im Breisgau und in der Ortenau. Ob den Schlabbeträgern aber bewusst ist, dass sie hier im Grunde ein niederdeutsches Lehnwort benutzen, also eines, das weit oben im deutschen Norden zuhause ist? Wohl kaum. Es ist zwar nicht schwer, eine Verbindung von dem Wort Schlabben zu 'schlapp' herzustellen, denn normalerweise handelt es sich hier um bequeme Schuhe, die oft keine Ferse haben und daher nur einen lockeren Halt bieten. Und auch unter dem Wort 'schlapp' kann sich jedermann etwas vorstellen. Dass 'schlapp' bei uns aber 'schlaff' heißen müsste, genauso wie zu niederdeutsch 'slapen' hier 'schlafen' gesagt wird, ist schon weniger bekannt. Erst seit etwa dem 17. Jahrhundert breitete sich dieses Wort, begünstigt durch die Militärsprache, im oberdeutschen Raum aus.

Hausschuh in Südbaden

Wer nun aber denkt, dass Fingge das uralemannische Wort ist, muss zumindest zur Kenntnis nehmen, dass das Wort im Allgemeinen auf das mittellateinische Wort 'ficones', mit dem Mönchsschuhe bezeichnet wurden, zurückgeführt wird, wobei sich weitere Ursprünge im Dunkeln verlieren. Dazu kommt, dass auch im alemannischen Fingge-gebiet relativ häufig Schlabbe auftauchen. Das kann daran liegen, dass hier manchmal auch sachlich unterschieden wird. Denn aus Grenzach-Wyhlen wurde gemeldet, dass Fingge die Hausschuhe für die Frauen seien, während Männer Schlabbe oderSchlurbe tragen. Und in Schallbach bezeichnet man mit Fingge die warmen Hausschuhe für den Winter. Im Gegensatz dazu trägt man Schlabbe im Sommer. In Zell-Weierbach wird dagegen innerhalb der Schlabben unterschieden. Dort sagt man zu den hohen Hausschuhen, wie sie gerne von Großmüttern getragen wurden, Großlischlabbe.

In Furtwangen, Gütenbach, Schönenbach, Vöhrenbach und Oberprechtal ist es üblich, sich die  Däbber anzuziehen, und aus St. Märgen kommen noch die Däbberle dazu. Hier zeigt sich einmal mehr, dass es auch immer wieder sehr kleinräumige Besonderheiten gibt, die sich aber wacker halten. Sicher sind die Däbber auf das Wort 'tappen' zurückzuführen, während eine mehrfach aus Weisweil gemeldeten Besonderheit, Füde oder Füüde, rätselhaft ist.

Natürlich wurden auch des öfteren Schlurbe erwähnt. Dies jedoch immer zusammen mit anderen Bezeichnungen, so dass die Vermutung naheliegt, dass es sich dabei wohl in erster Linie um alte Schuhe handelt, die vielleicht noch eine Weile als Hausschuhe dienen. Wenn man in Breisach sagt Dü besseresch dich wiänä alde Schlurbe (nämlich überhaupt nicht), dann wird dabei genau dieser Aspekt angesprochen.

Neben den hin und wieder auftauchenden Ladschen, ein Wort, das im gesamten deutschen Sprachraum zu finden ist, sind aber doch noch ein paar Besonderheiten erwähnenswert. Aus Oberkirch, St. Georgen im Schwarzwald und Jostal wurden Stubeschue gemeldet und aus Buchholz und Simonswald kommen die Stubeschlabbe. Ein Hinweis auf das Material für die Hausschuhe, steckt in der Bezeichnung aus Kiechlinsbergen, Wullschlabbe, sowie der aus Seefelden und Falkensteig, Wulleschue, während in Gundelfingen auch der Stoffschuh bekannt ist. Zu der letzteren Kategorie gehören auch die nur einmal gemeldeten Endifinggen, ein Name, aus dem eine frühere Praxis der Hausschuhherstellung ablesbar ist: Aus Tuchenden wurden diese, ähnlich wie die Strohschuhe, geflochten.

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